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Vortrag: "Datenjagd - Auf dem Weg zum gläsernen Menschen?" PDF Drucken

Die Grazer Burschenschaften unter dem Vorsitz der Grazer akad. Burschenschaft Cheruskia luden am 21. Jänner 2011 zum Vortrag mit Univ.-Prof. Dr. Herbert Haller und Dipl.-Ing. Reinfried O. Peter, Msc


Herr Univ.-Prof. Dr. Herbert Haller studierte Rechtswissenschaften in Wien, wo er 1963 promovierte und 1968 habilitierte. Er war Mitglied des Datenschutzrates und bis 2010 Richter am VfGH.

Herr Dipl.-Ing. Reinfried O. Peter studierte technische Mathematik in Graz. Er ist zuständig für den Zentralen Informatik Dienst der TU Graz und Datenschutzbeauftragter.

 

Die Einführung in das Thema Datenschutz betonte vor allem die Tücken, die uns im Alltag drohen. Bei jedem Einkauf unter Benutzung einer Kundenkarte oder bei Bankomat- oder Kreditkartenzahlung begeben wir uns in eine Situation, in der unsere Daten erfasst, unsere Gewohnheiten dokumentiert und unser ganzer Lebensstil analysiert werden.

 

Herr Univ.-Prof. Dr. Herbert Haller widmete sich zuerst der Frage, ob und in wie weit überhaupt erfassbar ist welche Menge an Daten über den einzelnen und wie werden diese gespeichert und verarbeitet. Seiner Meinung und Erfahrung nach ist eine genaue Bezifferung unmöglich:

„Es ist unmöglich alle gespeicherten Daten zu erfragen, weil es unmöglich ist nachzuvollziehen wo wie viele Daten gespeichert werden.“

Das eigentliche Problem stellt aber nun nicht die Aufzeichnung diverser Daten an sich dar. Das Problem ist die Art der Verwertung: Heute kauft man mittels Kundenkarte ein und morgen werden diese Kaufdaten an Zweit- und Drittinteressierte weitergegeben. Somit lässt sich leicht ein Kaufprofil erstellen. Angebote und Werbung werden auf dieses Profil angepasst. Mit der Zustimmung kostenlos Werbung zu erhalten, natürlich nur bis auf Widerruf, gibt man meist nicht nur dem direkten Vertragspartner dieses Zugeständnis, sondern auch allen Partnern des Partners. Der Widerruf bei diesen Partnern gestaltet sich dann oft schwierig bis hin zu beinahe unmöglich.

Gegen die Verwertung und Weitergabe von persönlichen Daten, die geschützt sind, steht der Weg zu den Zivilgerichten offen. Hierzu muss allerdings erst einmal bekannt sein um welche Daten und in welcher Menge es sich überhaupt handelt. Hinzu kommt dass die Gerichte und vor allem die Datenschutz-Kommission restlos überfordert sind. Allein im Jahr 2009 hatte der VfGH 4500 Fälle an Datenschutzdelikten zu erledigen! Der Datenschutz-Kommission mangelt es überdies an Mitteln und vor allem an technischem Verständnis.

 

Herr Univ.-Prof. Dr. Herbert Haller macht ein weiteres Problem am Beispiel der „Section Control“ klar. Die hier erarbeiteten Daten sind ausschließlich zur Bestrafung von Verletzungen der Geschwindigkeitsbeschränkungen einzusetzen. Die so gesammelten Daten dürfen aber nicht zur Bekämpfung oder Aufklärung anderer Verbrechen eingesetzt werden. Die logische Frage: Ist dies gerechtfertigter Datenschutz oder leichtfertige Aufgabe von Mitteln zur Verbrechensbekämpfung?

Herr Dipl.-Ing. Reinfried O. Peter begann mit einer Erklärung seiner Aufgabenbereiche an der TU Graz.

Er schilderte den recht kuriosen Umstand seiner eigentlich widersprüchlichen Tätigkeiten. Auf der einen Seite ist er als Zuständiger für den ZID daran interessiert möglichst viele Daten zu sammeln, um verloren gegangenes wieder herstellen zu können, aber auch zur präventiven Fehlerbehebung. Seine Tätigkeit als Datenschutzbeauftragter hingegen gebietet ihm die Menge von gespeicherten personenbezogenen Daten auf ein kleinst mögliches zu reduzieren.

Er sieht die Wahrung der Privatsphäre in mehreren Bereichen gefährdet.

Innerhalb der Universität fällt diese der Begeisterung der Programmierer zum Opfer. Diese sind weniger an den Daten an sich als an der Verarbeitung interessiert. Das Ziel ist möglichst viele Daten zu sammeln und dadurch Computersysteme fehlerfreier und Anwendungen besser handhabbar zu machen. Je individueller angepasst ein Programm ist umso mehr Anklang findet es beim Nutzer. Die Privatsphäre bleibt hierbei als reine Nebenerscheinung auf der Strecke. 

Extern sind es seiner Meinung nach gezielte Methoden um Informationen zu filtern.

Er spricht ECHELON an. Eine Einrichtung der NSA, die alle elektromagnetischen Strahlen weltweit registriert und speichert. Hiergegen hilft, so meint er, nur das Verschlüsseln der eigenen Daten, wobei über die Art der Verschlüsselung unterschiedliche Ansichten herrschen.

Aber nicht allein in der Ansammlung von Informationen liegt das Problem. Interessant wird es eigentlich erst bei der Verwertung, der Anwendung dieser Sammlungen.

Google zum Beispiel verwendet so genannte „Page ranking Algorithmen“. Diese beeinflussen die Treffer die zu bestimmten Suchworten geliefert werden. So wird auf die Suchanfrage „Turkey (Truthahn oder Türkei)“ zu „Thanksgiving“ weit aus öfter „Truthahn“ als Ergebnis angezeigt als zu anderen Zeitpunkten. Somit nimmt Google erheblichen Einfluss auf unser gesamtes Weltbild.

Der Vorteil der sich aus der Möglichkeit der Datenverarbeitung ergeben kann, ist gigantisch.

Es ist möglich die Anfragen einer bestimmten Region zu einem bestimmten Thema zu erfassen. Wenn also beispielsweise 70% der Einwohner des Orts Marchtrenk über längeren Zeitraum im Internet nach Angeboten für Schwimmbäder forschen, kann Google diese Information an einen Sanitärausstatter verkaufen.

Oder allgemeiner gesagt: Die regionale Eingrenzbarkeit von Anfragen im weltweiten Netz bietet Anlegern die Möglichkeit in die gewinnbringendsten Marktanteile zu investieren.

Das ist Macht die man nicht kaufen kann. 

Im zweiten Teil seiner Ausführungen gab Herr Dipl. Ing. O Peter sein Fachwissen zum Besten. Die genauen Details sind seiner Internetseite www.staff.tugraz.at/reinfried.o.peter/it-security zu entnehmen, da ihre Aufzählung hier viel zu weit in technische Details führen würde.

Nachdem er alles Wissenswerte über cookies, web-bugs und flash-cookies erläutert hatte, blieb den Anwesenden ausreichend Möglichkeit die beiden Vortragenden mit Fragen zu löchern.

 

Wir danken beiden Vortragenden für diesen informativen Abend!

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Letzte Aktualisierung ( Montag, 9. Mai 2011 )
 
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